Dolmetschen auf den Spuren der Schafe …

Schäfer mit seiner Herde

Schäfer mit seiner Herde - Foto: Studio Beinert / Lahr

Es war im September 1786, als die ersten Merinoschafe  :twisted: aus dem spanischen Segovia und dem französischen Perpignan nach Deutschland auf die Schwäbische Alb kamen. Ihre viermonatige Wanderung führte sie von Spanien über Frankreich und die Schweiz, über Schaffhausen, Tuttlingen und Balingen ins württembergische Münsingen. Initiator der Reise war der damalige Herzog von Württemberg, der seine Schafzucht vorantreiben und auch in Deutschland von der Rasse mit der feinsten und edelsten Wolle profitieren wollte. Das 225-jährige Jubiläum war der Anlass für eine Inforeise der Baden-Württembergischen Lammfleischerzeugergemeinschaft, die im September 2011 der historischen Route auf den Spuren der Schafe von Spanien nach Deutschland folgte. Dabei durfte auch Autor Manfred Reinhardt nicht fehlen, der auf der Reise stets die passende Anekdote aus seinem Buch “Das Goldene Vlies. Als die Merinoschafe nach Württemberg kamen” zu bieten hatte.

Aquädukt Segovia

Aquädukt Segovia - Foto: Studio Beinert / Lahr

Dolmetschen im Schafschurhaus

Dolmetschen im Schafschurhaus - Foto: Studio Beinert / Lahr

Die gesamte Tour wurde vom Reisebüro Barth aus Giengen an der Brenz professionell organisiert und durchgeführt. Zur sprachlichen Unterstützung in Spanien :lol: begleitete ich die deutsche Reisegruppe 3 Tage lang auf der Etappe von Segovia nach Barcelona und konnte wieder einmal feststellen wie abwechslungsreich der Beruf des Übersetzers und Dolmetschers ist. Schon die Vorbereitung auf das Thema war mehr als interessant, da es in der Schäferei nicht nur eine Menge verschiedener Schafrassen und zahlreiche Fachbegriffe gibt, sondern auch eine lange Tradition und Geschichte dahintersteckt. Besonders in Spanien ist die Wanderschäferei, die Transhumanz, eine sehr alte Tradition, die aber leider nur noch von ganz wenigen Schäferfamilien ausgeübt wird.

Dolmetschen auf der Schafweide

Dolmetschen auf der Schafweide - Foto: Studio Beinert / Lahr

Dolmetschen beim Bürgermeister von Sigueruelo

Dolmetschen in Sigueruelo - Foto: Studio Beinert / Lahr

Inzwischen gibt es wieder ein paar Visionäre, die das Netz der mittelalterlichen Triftwege, in Spanien “cañadas reales” genannt, in Erinnerung rufen. Einer davon ist Jesús Garzón, der sich dafür einsetzt, dass jedes Jahr mindestens eine Viehherde auf diesen Wegen marschiert. Im Oktober 2011 trabten bei einer Veranstaltung zur Transhumanz 5.000 Schafe mitten über die Puerta del Sol in Madrid. Dazu konnte man in der CBN, der deutschen Wochenzeitung an der Costa Blanca, den Bericht “Die letzten Nomaden” lesen. Auch Vereinigungen wie die “Asociación Amigos de las Cañadas” in Segovia, die oft nicht nur aus Schäfern, sondern aus Naturliebhabern aller Berufsgruppen bestehen, tragen zum Erhalt dieser ländlichen Welt und der Wegenetze bei.

Interessierte Zuhörer

Interessierte Zuhörer - Foto: Studio Beinert / Lahr

Ältester Schäfer aus Sigueruelo

Schäfer aus Sigueruelo - Foto: Studio Beinert / Lahr

Das Thema in Deutschland bekannter zu machen und die Menschen zurück zur Natur zu führen, hat sich Stefan Hämmerle zur Aufgabe gemacht. Nicht nur einmal war er in Spanien bei Wind und Wetter mit einem Schäfer und dessen Herde unterwegs. In seinen interessanten Vorträgen und auf seiner Internetseite erzählt er über seine Pilgererfahrungen und lädt jeden dazu ein, seine eigene Erfahrung zu machen. Sein Wahlspruch ist “Nur wo Du zu Fuß warst, warst Du wirklich”.

Weitere Fotos finden Sie hier auf Facebook. Vielen Dank an das Studio Beinert in Lahr, das diese gelungenen Fotos gemacht und mir das Einverständnis für die Veröffentlichung gegeben hat.

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